Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst (Weltwärts)

Der Entwicklungspolitische Freiwilligendienst ist eine Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Es soll es jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren ermöglichen, sich zwischen einem halben und einem ganzen Jahr lang in Entwicklungs- und Schwellenländern ehrenamtlich zu engagieren. Finanziell möglich gemacht wird dies durch die Unterstützung der Teilnehmenden. Ziel ist, im Rahmen der deutschen Entwicklungspolitik die nachhaltige Entwicklung der betroffenen Länder zu unterstützen und gleichzeitig engagierte, politisch und sozial interessierte Bürger zu fördern.

Voraussetzungen für den Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst

Die grundsätzlichen menschlichen Voraussetzungen der Teilnehmer sollten Weltoffenheit und Interesse an globalen Zusammenhängen und Entwicklungspolitik sowie an den kulturellen, ökonomischen und ökologischen Besonderheiten des Gastlandes sein. Weitere Voraussetzungen sind die Einhaltung der Altersgrenze von 18 bis 28 Jahren; eine stabile Gesundheit und die Bereitschaft, alle notwendigen gesundheitlichen und medizinischen Vorsorgemaßnahmen zu treffen; die Bereitschaft, an den Vorbereitungsprogrammen ohne Ausnahme teilzunehmen, und sich auch im Land selbst fortzubilden; eine nachhaltige und kontinuierliche Mitarbeit am designierten Programm oder Projekt der respektiven Entsendeorganisation; Hauptschul- oder Realschulabschluss in Kombination mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder aber eine Hochschulreife respektive vergleichbare Voraussetzungen; die deutsche Staatsbürgerschaft oder ein unbefristetes, uneingeschränktes Aufenthaltsrecht in Deutschland; eine zufriedenstellende Kenntnis mindestens einer der Landessprachen. Weiterhin können die Entsendeorganisationen je nach Land und Projekt weitere Voraussetzungen stellen, die dort in Erfahrung gebracht werden können.

Vorbereitungen und Ablauf des Aufenthaltes

Zur Vorbereitung des Aufenthaltes ist die Teilnahme an vorbereitenden Veranstaltungen verpflichtend, und zwar unabhängig von der Entsendeorganisation oder dem Zielland. Dazu gehören zwölf Vorbereitungstage in Deutschland, ein fünftägiges Zwischenseminar am Einsatzort, fünf Tage nach erfolgter Rückkehr nach Deutschland sowie drei generelle Bildungstage, die von der Entsendeorganisation flexibel bestimmt werden können. Zum Pflichtenkatalog gehören außerdem noch das Schreiben von Berichten während des Projektverlaufes und eine abschließende Projektbeschreibung. Hinzu können individuell von den Entsendeorganisationen festgelegte Aufgaben kommen, die ebenfalls verbindlich sind.

Ebenfalls gewinnbringend kann ein dem Auslandsaufenthalt vorausgehendes, entwicklungspolitisches Engagement sein, das mit der Entsendeorganisation abgesprochen und unterstützt wird. Oft existieren bereits entsprechende Angebote; die Bewerber können aber auch eigene Ideen entwickeln. Beispiele sind Projekt- oder Länderpräsentationen, journalistische Arbeiten, die Betreuung von Infoständen oder die Mithilfe bei Veranstaltungen.

Die tatsächliche Bewerbung und Entsendung läuft nicht über das Ministerium, sondern direkt über die Entsendeorganisationen. Eine entsprechende Liste der Organisationen, angebotenen Projekte und Gastländer kann jedoch über die Projektseite (weltwaerts.de) abgerufen werden. Dabei sind die Aufgaben sehr weit gefächert. Die Projekte können ökologischer Natur sein, wenn es sich beispielsweise um Erhaltungsmaßnahmen von bedrohten Habitaten oder nachhaltigen, biologischen Ackerbau handelt. Sie können sich um erneuerbare Energien und Versorgungsnetze drehen, wie die Elektrifizierungen von Dörfern durch Solarmaßnahmen. Sie können aber auch pädagogische oder sozialpädagogische Einsätze umfassen, wie die Arbeit mit Straßenkindern.

Bewerbung für den Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst

Im organisatorischen Ablauf erfolgt zunächst die Bewerbung an die Entsendeorganisation, deren Bewerbungsbedingungen ebenfalls der Projektseite zu entnehmen sind. Dabei sind die jeweiligen Bewerbungsfristen einzuhalten. Die Auswahlgespräche werden ebenfalls von den Entsendeorganisationen direkt geführt. Diese bestimmen auch die Einsatzplätze und erarbeiten die Vorbereitungsprogramme. Des Weiteren sind sie ständig vor Ort, um den Freiwilligen im Falle von Fragen und Problemen zur Seite zu stehen. Allerdings geben sie ihrerseits über den Verlauf des Einsatzes und des Projektes als ganzem Feedback an das weltwärts-Sekretariat. Ein eigenes Projekt ohne akkreditierte Trägerorganisation kann nicht finanziert werden.

Einsatzgebiete für den Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst

Obwohl der Schwerpunkt hinsichtlich der Einsatzländer momentan klar auf Afrika liegt, kann der Entwicklungspolitische Freiwilligendienst im Prinzip in jedes Entwicklungsland gehen. Diese sind als solche definiert und auf der Länderliste der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufgeführt. Neben Afrika finden sich dort Länder in Asien, Lateinamerika sowie Osteuropa. Vor der Bedürftigkeit des Landes steht jedoch die Sicherheit der Freiwilligen. Wenn die politische oder die allgemeine Sicherheitslage das Risiko zu hoch oder unkalkulierbar machen, wird von einem Einsatz abgesehen. Es obliegt dabei dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), zu prüfen, ob die Voraussetzungen vertretbar sind. Wenn das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für ein bestimmtes Land oder eine Region innerhalb eines Staates ausgesprochen hat, kann ein dortiger Einsatz ebenfalls nicht finanziert werden. Die betroffenen Gebiete lassen sich auf der Webseite des Auswärtigen Amtes einsehen.

Anrechnung des Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst

Das freiwillige Engagement im Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst hat oder kann auch Auswirkungen auf andere Verpflichtungen, Anstellungen, Ausbildungen oder Rechte in Deutschland haben. Kriegsdienstverweigerer, die bereits als solche anerkannt sind, können mit dem Entwicklungspolitischen Freiwilligendienst einen mindestens elfmonatigen Freiwilligendienst ableisten. Dieser wird dann als Ersatz des Zivildienstes gewertet - allerdings nur, wenn die Entsendeorganisation im In- und Ausland gemäß § 14 b Zivildienstgesetz (ZDG) anerkannt ist.

Ob der Freiwilligendienst als studiumsrelevantes Praktikum anerkannt ist, entscheiden die jeweiligen Hochschulen. Das Gleiche gilt für die Anerkennung als Freisemester. Die Wartezeit auf die Vergabe eines Studienplatzes läuft allerdings laut der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) während des Freiwilligendienstes weiter. Gleichzeitig ist der Freiwilligendienst ein zugelassenes Kriterium für die Vorrangigkeit für die Vergabe von Studienplätzen. Erhält ein Freiwilliger während seines Aufenthaltes einen Studienplatz und kann ihn aufgrund von Abwesenheit nicht antreten, hat er nach seinem Freiwilligendienst Anspruch auf eine erneute Zulassung. Auch der Kindergeldanspruch wird nicht ausgesetzt. Dies ist sogar rückwirkend der Fall: Sämtliche Teilnehmer des Entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes erhalten rückwirkend zum 1. Januar 2008 Kindergeld.



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